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Vitali Klitschko: „Wir prüfen immer, wer von uns der Bessere ist"

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image „Ich stehe nicht auf Narben in Frauengesichtern"

Boxweltmeister Vitali Klitschko spricht über die Rivalität zu seinem Bruder Wladimir, seine Zukunft als Politiker in der Ukraine und seine Abneigung gegen das Frauenboxen: „Ich stehe nicht auf Narben in Frauengesichtern"

Es sind die Tage der Klitschkos. Vergangene Nacht kämpfte Wladimir, 33, vor 50 000 Zuschauern in Düsseldorf gegen Eddie Chambers. Im Rahmen des Laureus World Sports Awards in Abu Dhabi verriet Bruder Vitali, 37, vor wenigen Tagen, dass er am 29. Mai in Schalkes Fußball-Arena vor 70?000 Zuschauern seinen Titel gegen Europameister Albert Sosnowski aus Polen verteidigen wird. Während die Klitschkos in Deutschland eine Attraktion sind, werden sie für die Amerikaner wegen ihrer Überlegenheit zu Schreckgespenstern.

Woran krankt das Schwergewichtsboxen: An Ihrer großen Dominanz oder weil es derzeit einfach keine guten anderen Boxer gibt?

Vitali Klitschko: Wir blockieren im Moment die Schwergewichtskrone, und kein anderer kommt dran. Es gibt keine großen Namen, weil wir jeden bereits am Anfang abfangen. Eine neue Generation wächst heran, aber wir lassen sie nicht groß werden.

Bekommen Sie und Ihr Bruder die Sehnsucht der Amerikaner nach einem großen Helden aus den USA zu spüren?

Klitschko: Wenn ein Amerikaner einen Klitschko schlägt, wird er dafür große Anerkennung bekommen. Es gibt genug junge Herausforderer, aber wir stutzen ihnen bereits am Anfang die Flügel.

Ist es unfair, dass die Leute Lennox Lewis für den letzten unumstrittenen Weltmeister halten?

Klitschko: Dazu gibt es viele Meinungen. Lennox war ein wirklich großer Champion. Natürlich ist es schade, dass es nie ein Rematch zwischen uns beiden gab. Lewis hat es mir versprochen. Aber leider hat er sein Wort nicht gehalten.

Der Traum der Klitschkos, alle vier bedeutenden Titel zu besitzen, führt über David Haye. Wann wird es diesen Kampf endlich geben?

Klitschko: Ich hoffe noch in diesem Jahr. Ich denke, wir haben gute Chancen, diesen Kampf zu realisieren. Vorher kämpfe ich jedoch erst einmal gegen Europameister Albert Sosnowski.

Was zeichnet Sosnowski aus?

Klitschko: Er ist ein starker Mann. Jung, wendig, und er hat einen sehr guten Kampfrekord. Den darf ich nicht unterschätzen. Ich hoffe, dass mich die Leute unterstützen. Ich möchte in Gelsenkirchen gern den Rekord meines Bruders brechen und vor 70?000 Zuschauern boxen.

Warum ist Ihnen dieser Rekord so wichtig?

Klitschko: Es ist immer ein großer Ansporn etwas zu machen, das vor dir kein anderer geschafft hat.

Oder suchen Sie und Wladimir sich andere Felder der Rivalität, weil Sie nicht gegeneinander boxen wollen?


Klitschko (lacht): Ja, der Wettkampf zwischen uns ist immer groß, auch wenn wir nicht im Ring gegeneinander kämpfen. Also prüfen wir, wer besser schwimmt, wer besser läuft, wer besser spielt, ob Fußball oder Tischtennis.

2012 wird in London Frauenboxen olympisch. Gefällt Ihnen das?

Klitschko: Ich hoffe, die Frauen nehmen es mir nicht übel. Mag sein, dass ich zu konservativ oder zu altmodisch bin, aber ich sehe viele schönere Sportarten für Frauen. Ich stehe nun mal nicht auf gebrochene Nasen oder Narben in Frauengesichtern. Ich kenne sehr viele Boxerinnen, einige von ihnen sind sehr schöne Frauen. Wenn sie gegeneinander kämpfen, blutet mir mein Herz. Ich bin kein großer Fan des Frauenboxens, nein, diese Sportart passt zu Männern, nicht zu Frauen.

Sollte also Ihre Tochter später einmal eine Boxerin wie Laila Ali werden wollen??

Klitschko: ??dann werde ich das zu verhindern wissen! Mit meiner ganzen Kraft.

Sie haben einmal gesagt, für 2011 würden Sie Ihren Rücktritt planen. Viele Kämpfe bleiben Ihnen bis dahin nicht mehr.

Klitschko: Das stimmt so nicht. Ich habe gesagt, dass jeder Kampf mein letzter sein kann. Ich bin nicht mehr der Jüngste. Ich entscheide das aus dem Bauch heraus.

Und nach der Boxkarriere mischen Sie dann die Politik in Ihrer Heimat auf?


Klitschko: Die Ukraine hat ein riesiges Potenzial. Leider gehört sie zu den korruptesten Ländern der Welt. Das Land muss sich dringend an europäische Standards gewöhnen. Die Frage ist nur: Wann passiert das? Ich möchte nicht zig Jahre warten, deshalb investiere ich im Moment viel Kraft, daran mitzuwirken, dass etwas geschieht.

Gerade gab es Präsidentschaftswahlen, Viktor Janukowitsch hat gewonnen.

Klitschko: Ja, und wir hoffen, dass sich jetzt einiges ändern wird.

Wohin?

Klitschko: Zu Reformen. Wir brauchen eine Justizreform, eine Gesundheitsreform, ach, eigentlich müssen wir die komplette Gesellschaft reformieren. Die Korruption ist die größte Bremse. Solange sie da ist, kann sich unser Land nicht entwickeln.

Warum sind Sie mit Ihrem Versuch gescheitert, Bürgermeister von Kiew zu werden?

Klitschko: Die Schuld nehme ich ganz auf meine Kappe. Ich habe damals nicht genug Kraft und Zeit investiert, den Menschen zu beweisen, dass ich Reformen auf den Weg bringen kann. Außerdem war ich nicht Mitglied einer Partei, das habe ich unterschätzt. Der Bürgermeister von Kiew ist die drittwichtigste politische Kraft im Staat nach Präsident und Ministerpräsident.

Inzwischen haben Sie Ihre eigene Partei gegründet?

Klitschko: Ja. Wir werden an den nächsten Parlamentswahlen teilnehmen. Dafür haben wir eine Partei gegründet, es ist eine liberale Partei mit liberalen Ideen. Mehr und mehr Leute unterstützen uns dabei jeden Tag. Ich lerne gerade sehr viel. Ich studiere derzeit an der Akademie des Präsidenten und sammele Erfahrungen. Ich tue alles, um zu beweisen, dass ich es kann.

Was zeichnet Sie denn als liberalen Menschen aus?

Klitschko: Liberalität ist eine Lebenseinstellung, eine Vision. Es ist kein Geheimnis, dass ich viel Zeit in Deutschland und Amerika verbracht habe. Lebensstandard kenne ich nicht aus Zeitungen oder aus dem Fernsehen, ich habe ihn selbst erlebt. Die Ukraine war ein autoritäres Land, sie hat noch einen weiten Weg vor sich. Ich muss versuchen, die Leute von liberalen Ideen zu überzeugen.

Wie ist Ihre Vision von einer demokratischen Ukraine?

Klitschko: Für eine starke Linie brauchen wir jemanden, der die ganze Verantwortung auf seinen Schultern tragen kann, denn er wird unpopuläre Entscheidungen treffen müssen. Wenn Reformen auf den Weg gebracht sind und die Korruption besiegt ist, sehe ich die Ukraine mit einer entwickelten Infrastruktur, mit einer funktionierenden Wirtschaft. Das Land wird seine geografische Lage nutzen, denn der Weg nach Asien führt durch die Ukraine. Ich sehe die Ukraine als ein modernes, demokratisches Land. Glauben Sie mir: Wir haben die Demokratie im Blut.
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