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"Notruf Ukraine" bricht heute nach Polen auf

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Seit vielen Jahren organisiert der Verein "Notruf Ukraine" Hilfstransporte nach Osteuropa. Zweimal im Jahr begeben sich die Mitglieder auf eine abenteuerliche Reise mit mehreren Lkw, vollgestopft mit Hilfsgütern. Heute früh, Punkt 8 Uhr, steht die nächste Reise auf dem Plan. Das Ziel musste allerdings kurzfristig verändert werden.

Halberstadt. Ulrich Scholle ist gestern Mittag schon wieder zum Lachen zumute. "Wir Deutschen haben den Verwaltungsakt zwar erfunden, aber die Ukrainer sind auf dem besten Weg, ihn zu perfektionieren", scherzt der erste Vorsitzende des Vereins "Notruf Ukraine". Grund für seinen Galgenhumor: Eigentlich wollten zehn Mitglieder des Halberstädter Vereins heute früh mit ihrem Hilfstransport in Richtung Teplik in der Ukraine fahren. Nun wird ihre Reise gezwungenermaßen deutlich kürzer, denn das Ziel heißt seit gestern Oswiecim und liegt nicht nur 1000 Kilometer näher am Ausgangspunkt Halberstadt, sondern ist vor allen Dingen auch noch Mitglied in der EU. Dort gibt es vereinfachte Zollbestimmungen.

"Wir haben von der Kommission in Kiew keine Zollbefreiung bekommen. Das bedeutet, wir hätten an der Grenze ordentlich zahlen müssen und das ist für einen Verein wie unseren nicht machbar", erklärt Scholle. Vor jedem Transport muss der Verein eine Liste mit sämtlichen Hilfsgütern, die sie über die Grenze bringen wollen, an eine Zollkommission in Kiew schicken, die dann eine Zollbefreiung ausstellt. "Wir haben alle Ladelisten fristgerecht eingereicht. Eigentlich sollte sich die Kommission diese Woche treffen, dann wurde der Termin aber auf die kommende Woche verschoben", berichtet Scholle. Da die Lkw und die Hilfsgüter aber bereits zur Abfahrt bereit standen und sich die ehrenamtlichen Helfer Urlaub genommen hatten, ließ sich der Termin nicht mehr verschieben.

Kurzerhand hat Scholle also umdisponiert. Mit dem polnischen Ort Oswiecim pflegt der Verein bereits seit längerer Zeit enge Kontakte, auch dorthin gingen bereits zahlreiche Transporte. "Der Bürgermeister ist ein Freund von mir", berichtet Scholle. Erst im Juli dieses Jahres hatten zahlreiche Vereinsmitglieder Oswiecim besucht, um ihre polnischen Freunde bei der Hochwasserkatastrophe zu unterstützen. "Wir waren dort mit zwölf Tonnen Hilfsgütern im Einsatz. Darunter waren Decken, Betten und eine Feldküche", so Scholle. "Wir haben die polnischen Einsatzkräfte vor Ort mit deutscher Erbsensuppe aus der Gulaschkanone versorgt", erinnert sich der Vereinsvorsitzende augenzwinkernd.

Die Hilfsgüter sollen in Polen an mehrere Krankenhäuser in und um Krakau verteilt werden. Auch wenn Polen in der EU sei, sei der Zustand einiger Krankenhäuser, wenn auch nicht so schlimm wie in der Ukraine, so doch deutlich unter dem deutschen Standard, weiß Ulrich Scholle. "Dort ist jedes Pflegebett Gold wert", so der Vereinsvorsitzende. Und davon wurden gestern einige verladen. Dank einer Krankenhausauflösung in Helmstedt sind die Hilfstransporter vollgestopft mit Krankenhausbetten, Gehhilfen und medizinischen Geräten. Hinzu kommen noch palettenweise Kleider, Schreibwaren und auch die eine oder andere Packung Schokolade ist dank der Unterstützung vieler großer und kleiner Händler aus dem gesamten Harzkreis mit dabei. Insgesamt handelt es sich um Hilfsgüter, die einen Wert von mehr als 30 000 Euro haben und gut 50 Tonnen auf die Waage bringen.

Die Enttäuschung darüber, dass der Hilfstransport nicht wie geplant stattfinden kann, war natürlich gerade im Krankenhaus in Teplik groß, wo bereits sehnsüchtig auf die Hilfe gewartet wurde. Auch deswegen wollen die Helfer nicht auf einen Abstecher in die Ukraine verzichten. "Wir werden mit zwei Bussen und einem Kleintransporter nach Sambir fahren. Das ist kurz hinter der Grenze. Dort gibt es ein Kloster, in dem wir eine kleinere, zollfreie Menge an Hilfsgütern zum Verteilen abgeben wollen. Dass wir dort wenigstens im geringen Maße helfen können", erklärt Ulrich Scholle die Pläne.

Nächste Woche Donnerstag wollen die Halberstädter Helfer mit leeren Ladeflächen wieder in die Kreisstadt heimkehren. "So Gott und der Zoll es denn will", grinst Ulrich Scholle verschmitzt.
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