UKRAINIANS.DE | Das führende Informations-, Nachrichten- und Kooperationsportal für die Ukraine-Deutschland-Thematik | Das Deutsch-Ukrainische Portal | Das Portal der Ukrainer in Deutschland | Ukraine-Deutschland | Украина-Германия | Україна-Німеччина: Hungersnot Hungersnot ================================================================================ Anna Olshevska on 04 April, 2008 11:08:00 Wenn ein Imperium zerfällt, geht auch seine Vergangenheit zu Bruch. Die Erinnerung an Stalins zahlenmäßig größtes Verbrechen, die Hungersnot der von 1932-1933, ist längst zersplittert. In Russland und in der Ukraine gedenkt man der Toten auf unterschiedliche Weise. Die Kiewer Führung bemüht sich seit Jahren um die internationale Anerkennung der Hungersnot als Genozid am ukrainischen Volk. George W. Bush wurde auf seinem Besuch sogleich zum Denkmal für den sogenannten "Holodomor", den Hunger- und Kältetod von Millionen Menschen geführt. Er hat seinen festen Platz in der Identitätsbildung des jungen Staates. In Russland sieht man diese Bemühungen mit Zorn. Die Ukrainer, heißt es, reklamieren eine Opferrolle für sich, obwohl die Hungersnot auch Südrussland und Kasachstan traf. Nicht gegen das Volk der Ukrainer, sondern gegen die Klasse der Bauern habe sich die rücksichtslose Eintreibung von Getreide gerichtet. Die Behauptung, es habe eine planmäßige Vernichtung der Ukrainer stattgefunden, wurde lange nach dem Ereignis "in modrigen Chauvinistengeistern geboren", schreibt Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn in der gestrigen Ausgabe der "Iswestija"; ob die Führung der Ukraine "die kühnen Verdrehungen des bolschewistischen Agitprops" noch übertreffen wolle? Für westliche Ohren klinge all das überzeugend, weil man im Westen gegen den Bazillus der historischen Lüge weniger immun sei als im lügengewohnten Osten. Die russische Duma hat gestern eine Erklärung abgegeben, die die Kiewer Variante förmlich verwirft. Tatsächlich wird die These von der Hungersnot als planmäßiger Vernichtung einer Ethnie auch in der westlichen historischen Forschung kaum vertreten. Stutzig macht bloß, wenn im Entwurf der Duma-Erklärung steht: "Ewiges Denkmal für die Opfer und für die Helden der 1930er" seien die "bis heute tätigen" monumentalen industriellen Errungenschaften Stalins wie das Wasserkraftwerk Dnjeproges oder die Stahlstadt Magnitogorsk. Hat da jemand was von Autobahnen gesagt? Christian Esch, Berliner Zeitung, 3.4.2008